Davon, wie ich mich verlor, um mich selbst zu finden…

Davon, wie ich mich verlor, um mich selbst zu finden…

4. Oktober 2020 2 Von Ronja

I’m back! (Soweit jedenfalls der Plan!)

Ich möchte euch in diesem Artikel erklären, warum ich solange mehr abwesend als anwesend war…
Und im gleichen Zuge möchte ich mich dafür entschuldigen. Besonders auch bei den Autoren, Verlagen und Agenturen, die mich mit Material unterstützt haben… Ich habe hier immer noch ein, zwei Rezensionsexemplare, die noch nicht bearbeitet sind…
Das tut mir schrecklich leid und wird so schnell wie möglich nachgeholt.

Ich schreibe diesen Artikel jetzt besonders mit dem Hintergedanken, diesen Fehler nicht zu wiederholen. Mir dies einzugestehen und meine Gedanken nun mit euch zu teilen, fällt mir nicht besonders leicht, aber ich denke, es ist an der Zeit. Das folgenden soll auch wirklich keine Entschuldigung dafür sein, aber vielleicht hilft es, zu verstehen, warum es so kam.

Wer mir schon länger hier, bei Facebook oder Instagram folgt, der weiß, dass ich aufgrund von mehreren Jahren sexuellen Missbrauchs durch meinen Erzeuger in meiner frühen Kindheit an einer chronischen Posttraumatischen Belastungsstörung leide. Die weiteren Diagnosen lauten soziale Phobien, Panikstörung, Schlafstörungen und Angoraphobie. Auch dissoziative Züge wurden mir genannt.
Ich wollte nicht, dass dieser Mensch, der mich beschützen und lieben sollte, mein Leben kaputt macht und habe versucht stark zu sein. Ich wollte all das, was meine Freunde konnten auch können… Aber ich kann es nicht.
Das fing schon früh an. Mein Erzeuger zerstörte mein Urvertrauen. Dieses ist leider irreparabel… Ich vertraue niemandem vollkommen. Ich vertraue auch mir selbst nur halb.
Leider gibt auch mein Leben dieser Skepsis immer wieder recht. Der zweite Mann meiner Mutter fing an zu trinken, weil er nicht ertragen konnte, was mir zugestoßen war und wurde daraufhin gewalttätig. Meine Freunde wandten sich nach und nach alle von mir ab, je mehr meine Probleme mich beeinträchtigten.

Ich habe panische Angst im Dunkeln. Telefonieren ist mir nur möglich, wenn ich die Person am anderen Ende kenne und mir beim Reden ihre Mimik vorstellen kann. Alleine rausgehen, so gut wie unmöglich. An manchen Tagen stresst es mich extrem mit dem Hund nur einmal um den Block zu gehen. Menschenmengen machen mir große Angst.
Ich schlafe fast nie durch… Mindestens 3x die Woche habe ich Alpträume, in denen ich Kindheitserinnerungen erneut durchlebe.
Das sind nur ein paar meiner Probleme, die ich auch nur aufführe, damit ihr euch ungefähr vorstellen könnt, wie mein Tag aussieht.

Heute habe ich nur noch Freunde, die ich übers Internet kennengelernt habe. Übers Bloggen…
Das Bloggen wurde mir wichtiger als alles andere in meinem Leben. Solange nichts in der Realität passierte, dass mich aus der Bahn warf, war auch alles gut! Aber ungefähr in den letzten anderthalb Jahren ist so viel passiert, dass ich vollkommen überfordert war und kaum bis gar keine Kraft zum Bloggen hatte. Gleichzeitig tat mir aber alles, was mit Bloggen zu tun hatte, so gut, dass ich die Reißleine einfach zu spät zog. Ich habe leider etwas Zeit gebraucht, um mir das alles einzugestehen.

Wenn ich unter Druck gerate oder emotional überfordert bin, dann verfalle ich in depressive Phasen, schlafe so gut wie gar nicht mehr und bekomme dann einfach nichts hin. Manchmal wünsche ich mir dann einfach zu verschwinden und nicht mehr zu existieren. (Hat nichts mit Selbstmordgedanken zu tun!)

In den letzten anderthalb Jahren fand ich meinen Freund, den ich sehr liebe. Aber auch er stellte mich emotional erst einmal auf eine harte Probe. Dazu möchte ich hier nicht weiter eingehen, auch weil jetzt alles gut ist, aber das war eine wirklich schwierige und anstrengende Zeit.


Ich gehe trotz all meiner Probleme arbeiten, auch wenn es nicht viel ist. Laut Attest bin ich nicht in der Lage 12 Stunden zu arbeiten. Meist arbeite ich zwei Tage in der Woche jeweils 5 Stunden. Das ist für mich möglich und ich finde es auch wichtig, um rauszukommen und weil ich eigentlich nicht dem Staat auf der Tasche liegen möchte. Natürlich weiß jeder, dass ich mit der geringen Stundenanzahl Unterstützung benötige.
Bis März diesen Jahres habe ich noch studiert und die große Hoffnung gehabt, dieses Studium auch abzuschließen. Im Frühjahr musste ich mir jetzt aber endgültig eingestehen, dass es mir absolut nicht möglich ist, die Universität in Kiel zu besuchen. Der Weg mit dem Bus und die überfüllten Hörsäle führten dazu, dass ich mich überhaupt nicht konzentrieren konnte. Durch die Angst rauszugehen, fehlte ich mehr, als ich anwesend sein konnte und hatte so auch keine Chance zu Prüfungen zugelassen zu werden.

Anfang August verstarb nun noch meine Oma, was mit einigem Gefühlschaos verbunden war. Wir hatten nie das beste Verhältnis, weil sie mich nicht an sich heranließ. Im Prinzip adoptierte sie meinen Bruder als ihren eigenen Sohn und ich durfte zuhause bleiben, wenn sie ins Disneyland oder sonst wohin fuhren. Beim Auflösen der Wohnung und verlesen des Testaments kamen dann noch so manche Lügen und Verletzungen zu Tage. In dieser Zeit konnte ich überhaupt nicht denken. Auch kamen viele Gedanken an meine Uroma zurück, die vor ungefähr 10 Jahren verstarb und von meiner Mutter mal abgesehen, die einzige Konstante in meinem Leben war, auf die ich mich immer verlassen konnte. Wenn man dann mitbekommt, dass da noch ein Sparbuch von ihr für mich war und ähnliches, was man nie bekommen hat, tut das unglaublich weh…
Und man versteht es nicht.

Die Wohnung ist nun aufgelöst und die Beerdigung war. Und zumindest darunter kann ein Schlussstrich gezogen werden.

Auch möchte ich mich jetzt an den schönen Dingen festhalten:
Meine Nichte ist heute geboren worden. Meiner Katze Fia geht es gesundheitlich wieder etwas besser. Mein Hund Lara ist für ihr Alter noch sehr fit.

Ich möchte nun zum Schluss nochmal betonen, dass dies keine Entschuldigung sein soll, für die überfälligen Rezensionen oder meine reine Abwesenheit. Das ist ganz allein mein Fehler und ich trage die Konsequenzen, wenn mit mir nicht mehr zusammengearbeitet wird. Aber ich wollte dies nun einfach öffentlich machen, auch einfach, um es selbst nicht zu vergessen und nächstes Mal mich genau hieran zu erinnern und früher die Reißleine zu ziehen…

Ich habe nun sämtlichen Stress reduziert. Keine Rezensionsexemplare angefragt und alle Angebote in letzter Zeit abgelehnt. Wenn die Verlage mir die Möglichkeit geben, arbeite ich natürlich sehr gerne wieder ab und zu mit ihnen. Aber nicht mehr jeden Monat mit jedem Verlag.