
Anna und der Schwalbenmann
Reise gegen das Vergessen
Menschen sind die größte Hoffnung des Menschen zu überleben.
Es hätte keine bessere Stimme für Anna geben können als Laura Maire…
Durch sie hören wir keine Geschichte… Wir erfahren ein Leben…
Wir lernen Anna kennen…
Anna ist sieben Jahre alt… als sie ihren Vater verliert…
Wäre Annas Vater nicht der gewesen, der er war, und hätte Anna in ihren sieben Lebensjahren nicht so viel Deutsch gehört, geredet und gedacht – kurz, wäre ihre Aussprache nicht so überzeugend muttersprachlich gewesen –, dann hätte diese Geschichte vielleicht aufgehört, bevor sie überhaupt begann.
– Seite 15
Anna weiß nicht, warum ihr Vater nicht wiederkam…
Sie weiß nicht, dass die Deutschen ihn mitgenommen hatten…
Ihn… einen jüdischen Intellektuellen…
Sie weiß nicht, dass er ins Gefängnis und von dort in Internierungslager verschleppt werden würde…
Sie weiß nicht, dass er im Konzentrationslager Sachsenhausen landen würde…
Sie weiß nicht, dass seine Kollegen weiter nach Dachau gebracht werden würden…
Sie weiß nicht, dass ihr Vater nicht mehr transportfähig sein würde…
All das weiß Anna nicht… und so wartet sie auf ihren Vater…
Alleine… einsam… aber Anna ist schlau…
Und das ist einer der Gründe, warum Annas Geschichte hier nicht endet, wie die vieler Kinder…
Denn Anna trifft auf den Schwalbenmann…
Ohne ihn wären wir… und Anna ganz alleine…
Der Schwalbenmann erklärt uns die Welt… die Wahrheit mit Bildern, Metaphern und Geschichten…
Er macht Soldaten zu Wölfen und Bären…
Juden zu Vögeln…
Nachdem die Späher fort waren und Anna und der Schwalbenmann vom Laub bedeckten Waldboden aufgestanden waren, fragte Anna, was arisch bedeute, und der Schwalbenmann erklärte, dass es Wölfisch sei und wölfisch hieße. Zuerst war Anna empört, aber der Schwalbenmann zog die Brauen hoch und sagte, sie hätten recht. Anna sehe wirklich wie ein Wolfsjunges aus, wenn sie schlief. Das war vielleicht das Unheimlichste, das Anna gehört hatte, seit der Krieg ausgebrochen war.
– Seite 185
Dieser Schwalbenmann übernimmt Verantwortung für Anna, kümmert sich um sie… Nimmt sie unter seine Fittiche… Dabei wissen wir so wenig über ihn… Eigentlich nichts… Er ist ehrlich…
Eine einzige Bedingung stellt er ihr, wenn sie mit auf seine Flucht möchte… Sie muss ihm jede Frage stellen, die ihr in den Sinn kommt.
Seine Regeln sind hart, doch nötig um zu überleben… Und doch verheimlicht er dem 7-jährigen Mädchen nicht die Wahrheit… Doch er vermittelt es so, dass Anna es verstehen kann.
Beim Hören und Lesen war ich schon bald emotional ausgelaugt…
Annas Geschichte hat so viel Tiefgang… so viel Weisheit…
Und grade deshalb ist diese Geschichte so wichtig…
Anna lernt, wie man neue Identitäten annimmt, ohne dabei zu vergessen, was wahr ist… Das eine Lüge, nicht unbedingt eine Lüge sein muss…
Wir sehen die Welt durch Annas Augen… Wir sehen Wölfe… und Bären… Sehen Leid und Tod… Massengräber und das Ergebnis von Erschießungen…
Aber wir sehen auch Freude und finden Freunde…
Und wir lernen zu überleben…!
Diese Geschichte entwickelt sich in keine Richtung, die man voraussieht… Jeder Moment trifft uns unvorbereitet und brennt sich tief ins Gedächtnis ein…
Denn wo man Sicherheit erwartet, wartet auf die ein oder andere Art und Weise auch das Grauen… Doch auch daraus kann man Lernen…
Anna wohnt in meinem Herzen… dies tat sie schon sehr früh… Denn Anna ist etwas ganz besonderes…
Der Schwalbenmann wacht über uns…
Emotional am Ende…
Mit Tränen in den Augen winke ich Anna…
Autor: Gavriel Savit
Preis: 16,99 €
Seitenanzahl: 272
Übersetzer: Sophie Zeitz
Verlag: cbt
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Ein Kommentar
Arndt Stroscher
Puh… was für Worte…ich war mir sosicher, dass Anna und Ronja Freundinnen werden. Ich war mir so sicher, dass ihr im Herzen verbunden bleibt.
Die Wahrheit sehen, Lügen nicht als Illusion betrachten… Leiden und doch Freude empfinden… Wesenszüge, die ich so vielen Mädchen wünsche. Zeitlos.
Ronja & Anna… was für ein Buchgedankengeistesherzensteam…